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Großbritannien

Zweitmarkt Großbritannien

Die britische Versicherungswirtschaft ist nach den USA und Japan die weltweit drittgrößte und die größte in Europa. Rund ein Viertel des im Vereinigten Königreich gemanagten Investmentvermögens stammt von Versicherungen. 290.000 Mitarbeiter arbeiten bei britischen Versicherern.

Eine gängige Form der Spar- und Kapitalanlage in Großbritannien ist die klassische Kapitallebensversicherung mit Überschussbeteiligung (engl. With-Profit Endowment Policy). Über die Hälfte der abgeschlossenen Verträge erreicht ihr Laufzeitende nicht mit dem ursprünglichen Versicherungsnehmer.

Die Gründe hierfür liegen vor allem in veränderten Lebensumständen der Versicherungsnehmer, z. B. Immobilienerwerb oder Scheidung. Statt die nicht mehr benötigte Versicherungspolice zu kündigen, besteht die Möglichkeit des Direktverkaufs, z. B. über das Internet oder auf Auktionen.

Seit 2002 sind die britischen Versicherungsgesellschaften zudem gesetzlich verpflichtet, stornowillige Versicherungsnehmer auf den Zweitmarkt hinzuweisen. Verkauft der Versicherungsnehmer seine Police auf dem Zweitmarkt, wird aus der With-Profit Endowment Policy eine Traded Endowment Policy, kurz „TEP“ genannt.

Britische Besonderheiten

Im Unterschied zu deutschen Kapitallebensversicherungen bestehen TEPs immer aus den drei Komponenten Versicherungssumme (basic sum assured), jährliche Bonuszuweisungen (reversionary bonuses) und Schlussbonus (terminal bonus). Die Versicherungssumme wird am Ende der Laufzeit oder im Todesfall der versicherten Person ausgezahlt. Die Versicherungssumme wird vom Versicherer garantiert und ihre Höhe steht bereits bei Vertragsabschluss unveränderlich fest. Hinzu kommen die jährlichen Boni. Sie werden von den britischen Versicherern in der Regel im Frühjahr festgelegt und den einzelnen Policen zugewiesen. Einmal zugeordnet, sind die laufenden Boni ebenfalls zum Ablauf der Police vom Versicherer garantiert. Zur Fälligkeit der TEP kann neben der Versicherungssumme und den aufgelaufenen Boni noch ein variabler Schlussbonus gezahlt werden.

Ein weiterer Unterschied der TEPs zu deutschen Kapitallebensversicherungen liegt in der Anlagepolitik der Versicherungsunternehmen begründet. Dürfen deutsche Versicherungsgesellschaften aufgrund gesetzlicher und aufsichtsrechtlicher Vorgaben maximal 35 Prozent des zinstragenden Kapitals in Aktien investieren – in der Praxis lag die Quote meist weit unter 10 Prozent – erlaubt die britische Finanzmarktaufsicht (Financial Conduct Authority, kurz FCA) den britischen Versicherern eine wesentlich flexiblere Investmentpolitik. Die Aktienquote lag deshalb in der Vergangenheit bei durchschnittlich oft über 30 Prozent. Die britischen Versicherer sind aber verpflichtet, jederzeit ihre Verbindlichkeiten (d. h. Garantiezusagen gegenüber den Kunden) erfüllen zu können. Dafür müssen sie u. a. große Reserven bilden. Darüber hinaus können Sie jedoch frei investieren.

Funktionsweise britischer Zweitmarkt

Ein Großteil der britischen Kapitallebensversicherungen wird vor Ende ihrer Laufzeit veräußert. Institutionelle und private Investoren erwerben diese Policen über ihren Rückkaufswerten, jedoch meist unter ihrem tatsächlichen „inneren Wert“.

Der Ankauf der Zweitmarktpolicen (TEPs) erfolgt über Policen-Handelsgesellschaften, die so genannten „Market-Maker“. Diese bewerten die angebotenen Versicherungsverträge und geben anschließend ein Kaufangebot ab. Bei der Kaufpreisermittlung wird zunächst die garantierte Versicherungssumme festgestellt. Unter Berücksichtigung der bereits erreichten Jahresboni sowie des Schlussbonus einer vergleichbaren (gleiche Gesellschaft, gleiche Laufzeit), aber aktuell ablaufenden Police, wird die voraussichtliche Ablaufleistung hochgerechnet. Der Kaufpreis liegt immer über dem Rückkaufswert, jedoch auch regelmäßig unter dem eigentlichen „inneren Wert“ der Police. Die rechtliche Übertragung sowie die Verwahrung der verbrieften Rechte der Police erfolgen über einen britischen Solicitor (Rechtsanwalt mit Notarfunktion).

Die durchschnittliche Investitionssumme einer TEP liegt zwischen 10.000 und 25.000 britischen Pfund. Nach Erwerb der TEP leistet der Investor die laufenden Prämienzahlungen, um nach Beendigung der Laufzeit – zusätzlich zu den bis Fälligkeit insgesamt aufgelaufenen Jahresboni und der Versicherungssumme – den variablen Schlussbonus zu erhalten.

Vorteile für alle Beteiligten

Vom britischen Zweitmarkt profitieren letztlich alle Beteiligten:

• Der Versicherungsnehmer, weil er einem Verkauf seiner Police einen höheren Preis als bei einer Stornierung der Police erhält. Dies liegt vor allem daran, dass die britischen Versicherungsgesellschaften einen Großteil des erwirtschafteten Überschusses erst bei Vertragsende als Schlussbonus auszahlen. Dadurch ist die vorzeitige Kündigung einer britischen Police mit meist höheren Abschlägen verbunden als der Ausstieg aus einer deutschen kapitalbildenden Lebensversicherung

• Der Investor, weil er die Police meist zu einem Preis erwirbt, der unterhalb des tatsächlichen „inneren Wertes“ der Police liegt. Zudem ist sein Investment zum Großteil gesichert, denn ihm stehen bei Policenablauf die bereits zugewiesenen Jahresboni sowie die Versicherungssumme unwiderruflich zu. Diese betragen zu Investitionsbeginn oft schon um die 85 Prozent des eingesetzten Kapitals inklusive künftiger Prämien.

• Das Versicherungsunternehmen, weil der Investor die Versicherungsprämien für die erworbenen Policen künftig weiter bezahlt und damit die Stornoquoten der Versicherer verringert. Diese können dadurch besser kalkulieren und mehr Geld investieren, da die Policen im Bestand bleiben.

Ausblick

TEPs erweisen sich nach den starken Korrekturen der Ablaufleistungen in den vergangenen Jahren nun wieder als stabile Asset-Klasse. Der langjährige Durchschnitt bei der Rückkaufswertentwicklung ist konstant und bei stabilen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen werden keine größeren Schwankungen erwartet. Da die heutigen Ablaufleistungen in etwa zu
80 % aus den Policen-Garantien bestehen, haben auch größere Schwankungen bei den Schlussboni nur bedingt Auswirkung auf die Gesamtablaufleistungen der Policen. Die rechtlichen Rahmenbedingungen für den Kauf und die Übertragung von TEPs sind verlässlich und gewährleistet. Im derzeitigen Zinsumfeld bieten sich TEPs vor allem für institutionelle und großvolumige Investments zur Portfolio- und Risikodiversifizierung an.